Elementarschäden ganz konkret
Sie haben für Ihr Hab und Gut und/oder Ihre Immobilie hart gearbeitet. Dennoch können Naturkatastrophen wie das mittlerweile auch in unseren Breiten immer häufiger auftretende Hochwasser, Ihre Besitztümer empfindlich schädigen oder gar zerstören. Viele Personen haben zwar eine Hausrat- und/oder Wohngebäudeversicherung mit Schutz vor Feuer-, Leitungswasser-, Sturm/Hagel-Schäden, doch oftmals fehlt der Schutz vor Elementarschäden. Dieser ist nämlich nicht automatisch mitversichert, sondern muss zusätzlich vereinbart werden. Das wird gerne aus Kostengründen nicht getan, was sich in Zeiten des Klimawandels schnell rächen kann.
Was gehört zu den Elementarschäden?
Überschwemmung:
Überflutet Oberflächenwasser (z. B. eines stehenden oder fließenden Gewässers) durch starke Witterungsniederschläge (auch Schmelze) Grund und Boden, spricht man im Sinne der Elementardeckung von einer Überschwemmung. Auch das niederschlagsbedingte Austreten von Grundwasser an die Erdoberfläche kann zu einer versicherten Flut führen. Welche Schäden an Wohngebäuden ein solches Überschwemmungsereignis anrichten, dürfte uns allen spätestens mit der Jahrhundertflut im Ahrtal im Juli 2021 klar geworden sein. Typische Überschwemmungsschäden am Hausrat sind das Aufquellen von Möbeln, Schimmel und Stock an Textilien und Polstermöbeln sowie Verschmutzungen durch mitgeführten Schlamm u. a. Verunreinigungen.
Rückstau:
Kommt es in einer Ortschaft zu einem Hochwasser, so läuft immer zuerst die Kanalisation voll. Fasst diese die Wassermassen nicht mehr, sieht man dies am Wasser, das aus Gullis hervorquillt. Das kann dazu führen, dass der Druck in den Leitungen der Kanalisation so hoch wird, dass das Wasser durch die Ableitungsrohre zurück ins Gebäude drückt. Dieser Rückstau verursacht Verunreinigungen. Es zieht z.B. Wasser in die Wände, was zu Schimmel führen kann. Der in den betroffenen Räumen vorhandene Hausrat kann Aufquellen, schimmeln o.ä. Rückstau macht Hochwasser auch für Gebäude in höheren Lagen zu einem Thema, die von einer Überschwemmung selbst geschützt wären.
Erdrutsch:
Hänge sind permanent der Erosion durch Wind und Niederschläge ausgesetzt. Kommen die „richtigen“ Faktoren zusammen, verliert der Hang an Festigkeit und gerät ins Rutschen. Schäden, die ein solcher Erdrutsch verursacht, sind im Rahmen der Elementarschadenversicherung mit gedeckt.
Erdbeben:
Hätten Sie´s gewusst? Jedes Jahr werden in Deutschland mehrere hundert Erdbeben gemessen. Beben der Stärke 4 bis 5 kommen etwa alle 18 Monate vor. Ein Erdbeben kann zu Schäden an der Immobilie führen oder kann dazu führen, dass in Ihrer Wohnung Inventur zu Bruch geht.
Schneelast:
In den letzten Jahren kam es immer wieder zu dem Phänomen, dass die Winter von kurzen, aber dafür umso heftigeren Schneefällen geprägt waren. Schnee blieb zudem lange liegen und wurde enorm schwer, wenn es zu Tauphasen kam. Für die Dächer von Häusern sind diese Schneemassen eine enorme Belastung, der vor allem Flachdachbauten wie z. B. Garagen und Firmengebäude oft nicht gewachsen sind und nachgeben können.
Es ist ein Irrglaube, dass der Staat dann automatisch einspringt und die Schäden bezahlt. Es gibt zwar das ein oder andere Bundesland, das (noch) über ein Hilfsprogramm verfügt, mit dem Geschädigte durch eine Naturkatastrophe unterstützt werden können, doch das Anrecht auf Beanspruchung einer solchen Unterstützung ist meist begrenzt, unterliegt hohen, zeitaufwändigen Reglementierungshürden und ist auch meist gedeckelt. Als Beispiel sei hier hier wieder die Ahrtalkatastophe genannt, nach der der Staat „unbürokratische Unterstützung“ zugesagt hatte, viele Betroffene aber heute noch mit den bürokratischen Hürden hadern. Aufgrund des Klimawandels und der auch in Zukunft zu erwartenden vermehrten Großschadenereignisse wird nun auch in der Politik eine Elementarschadenpflicht für Hausbesitzer diskutiert.
Wenn der Versicherer die Prämie für Ihr Auto oder das Haus erhöht
Kaum ein Begriff im Versicherungsjargon stößt auf so wenig Gegenliebe wie das Wort „Beitragserhöhung“. Alles wird teurer und jetzt möchte auch die Versicherung noch mehr! Hatte man im vergangenen Jahr keinen Schadensfall, ist es natürlich umso schwerer nachzuvollziehen, wieso man mehr zahlen soll. Wir möchten an dieser Stelle den Blick dafür weiten.
Das Versicherungsprinzip: Viele zahlen ein, damit die Bedürftigen daraus finanziert werden können.
Schon in den frühesten Formen des Versicherungswesens ging es stets darum, dass viele gemeinsam das Risiko des Einzelnen tragen und man sich so gegenseitig absichert. Mit anderen Worten: Bei Ihrer Versicherung bezahlen Sie mit tausenden anderen gemeinsam in den gleichen Risikotopf ein. Hat jemand aus diesem Versichertenkollektiv einen Schaden, so wird dieser aus dem Risikotopf bezahlt – auch Ihr Schaden, für den dann die anderen aus dem Versichertenkollektiv einspringen. Treten gehäuft Schäden auf, muss der Beitrag fairerweise steigen – aber das ist immer noch deutlich günstiger, als wenn Ihnen z. B. Ihr Haus abbrennt und Sie den Wiederaufbau alleine stemmen müssten. Der Versicherungsbeitrag wird so kalkuliert, dass er vor allem zur Deckung zweier großer Bereiche ausreichen muss: Kosten und Schäden. Kosten lassen sich in der Branche nur zu einem gewissen Maß noch reduzieren. Wird weiter am Service gespart, merken Sie als Kunde dies ganz unmittelbar: Externe Call-Center mit ungelernten Zeitarbeitern sollen dann auf Ihre individuellen Fragen antworten und kompetent beraten. Das kann nicht funktionieren! Auf den Bereich der Schadenhöhe hat der Versicherer nur wenig Einfluss. Schäden werden schon deshalb immer kostspieliger, da sich hier die allgemeine Lohn- und Preissteigerung niederschlägt. Diese beiden Bereiche lassen sich zusammen in der sog. „Schaden-Kosten-Quote“ auswerten. Dieser Begriff bezeichnet in der Versicherungswirtschaft das Verhältnis von Aufwendungen für Versicherungsbetrieb und Versicherungsleistungen zu den gezahlten Prämien. Ist die Schaden-Kosten-Quote größer 1 (oder als Prozentwert größer als 100 %), so bedeutet dies einen Verlust für den Versicherer. Er muss hier also durch Prämienerhöhungen gegensteuern, damit Sie weiterhin den Schutz erhalten, den Sie abgesichert haben.
Schaden-Kostenquoten – und damit potenzielle Beitragssteigerungen der einzelnen Sachversicherungen
Wohngebäudeversicherung – das Sorgenkind der Versicherer
Wohngebäudeversicherungen zählen mittlerweile zu den Verlustgeschäften der Branche. Zu den Hauptgründen gehört allgemeine Preissteigerung, die Materialien verteuert. Gestiegene Handwerkerkosten und hohe Tarifabschlüsse in den einzelnen Gewerken schlagen ebenfalls zu Buche. Außerdem wirken sich die häufigeren Hochwasser und Stürme der letzten Jahre spürbar aus. Darüber hinaus ist der Gebäudebstand in Deutschland ein ziemlich alter aus Sicht der Versicherer. Die Mehrzahl der Bestands-Wohnimmobilien ist aus den 70er und 80er Jahren, ist also 40 Jahre und älter – mit entsprechend alten Leitungsrohrsystemen, die selten in der Zeit mal untersucht oder saniert wurden. Gerade Leitungswasserschäden sind „die tickende Zeitbombe“ im Versicherungsbestand, denn es kommt zu vermehrten Schäden. Preissteigerungen und eine verschärfte Zeichnungspolitik sind daher nachvollziehbar.
KFZ-Versicherung – ruinöser Preiskampf
Die meisten Anbieter am deutschen Versicherungsmarkt verdienen mit ihrer KFZ-Versicherung schon seit mindestens zwanzig Jahren kein Geld mehr. Und doch kommt es jedes Jahr im November zum Showdown in der Branche, wenn die Kunden ihre meist erneut gestiegenen Kfz-Prämien erhalten und der Wechselwahnsinn beginnt. Der Anspruch des kfz-Kunden: möglichst niedrige Prämien mit bestmöglichen Schutz für das geliebte Fortbewegungsmittel auf vier Rädern. Der anhaltende Preiskampf zwingt die Versicherer dazu, bewusst Verluste einzukalkulieren und auf stützendes Geschäft aus anderen Sparten zu hoffen. Das heißt: Die Versicherer kalkulieren die Prämien nicht kostendeckend im Kfz-Bereich, um die Preissensibilität der Kunden nicht überzustrapazieren und hoffen darauf, das Verlustgeschäft durch Neugeschäft in anderen Sparten durch Cross-Selling auszugleichen. Die wenigen Versicherer, die mindestens kostendeckend kalkulieren, befinden sich immer am teuren Ende der Preisskala. Aus den oben beschriebenen Gründen lässt sich nicht prognostizieren, wo der Weg des Beitrags in dieser Sparte hin gehen wird. Solide kalkulierte Prämien mit sauberem Versicherungsschutz und Luft für außergewöhnliche Ereignisse nützen Ihnen als Kunde langfristig jedenfalls am meisten.
Rechtsschutzversicherung – die Luft wird dünner
Der Hauptgrund liegt hier in der überdurchschnittlichen Häufung von Streitigkeiten im Arbeitsrecht, die in den letzten Jahren zu verzeichnen waren. In den Finanzkrisen wurden Altverträge zudem übermäßig häufig zur Übernahme für Anlagestreitigkeiten herangezogen. Streitigkeiten im Kfz-Bereich – gerne auch mal nur wegen einer Beule – kennen nur die Richtung nach oben. Auch die Anhebung der Vergütungssätze für Rechtsanwälte im Zuge der Reform des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes (RVG) machen den Versicherern zu schaffen. Insgesamt wird mittelfristig eine branchenweite Beitragsanhebung kaum vermeidbar sein, um die Leistungsfälle von Kunden weiterhin regulieren zu können.
Privathaftpflichtversicherung – noch im grünen Bereich
Die Privathaftpflicht ist die private Versicherung mit der höchsten Verbreitung in deutschen Haushalten. Seit Jahren liegt die Schaden-Kosten-Quote bei rund 90 %. Hier verdient der Versicherer noch Geld, entsprechend selten kommt es zu Beitragsanpassungen. Wenn, zollen diese im Regelfall nur der allgemeinen Preissteigerung Tribut. Sollte allerdings der Trend, auch Kleinstschäden über den Haftpflichtversicherer abzuwickeln, anstatt sie selbst zu tragen, weiter anhalten, könnte hier die Luft in den nächsten Jahren schnell dünn werden. Verstärkt trennen sich daher Versicherer von Kundenbeziehungen, die durch eine hohe Schadenfrequenzhöhe auffallen.
Fazit: Beitragssteigerungen – nicht schön, aber oftmals nötig
Niemand freut sich, wenn die Versicherung teurer wird. Allerdings ist das reine Schielen auf den Preis zu wenig. Versicherungsschutz ist dazu da, Ihnen finanzielle Absicherung vor Schäden zu bieten, die schnell existenzgefährdend werden. Die Kosten für die Schäden steigen aus den genannten Gründen. Das muss bei der Prämienkalkulation berücksichtigt werden. Entscheidend ist das Leistungsspektrum Ihres Versicherungsschutzes. Lückenhafter Versicherungsschutz kann Sie am Ende des Tages teuer zu stehen kommen – viel teurer als eine Prämie, die sich um einige Prozentpunkte erhöht hat. Wenn Sie z.B. aufgrund eines Überschwemmungsschadens selbst 20.000 € für die Schadenbeseitung bezahlen müssen, weil Sie zugunsten einer günstigeren Prämie auf Elementarschutz verzichtet (oder diesen aufgekündigt) haben, um 300 € Mehrbeitrag im Jahr zu sparen, dann kann man sich leicht ausrechnen, wie lange sich die Zahlung des jährlichen Mehrbeitrags gelohnt hätte, bis der nun selbst zu zahlende Schaden „billiger“ gewesen wäre.
Natürlich ist es auch nicht sinnvoll, zuviel für eine Prämie zu zahlen, die es in vergleichbarer Qualität auch preiswerter gibt. Es lohnt sich ein Vergleich – aber der in den Bedingungen zugesagten Leistungen und nicht nur der Prämie. Wir nehmen also Ihre Anfragen, ob es im Falle einer Beitragssteigerung preiswertere Tarife mit vergleichbarem Leistungsspektrum ernst und prüfen entsprechend. Wir müssen Sie allerdings auch um Verständnis bitten, wenn wir Ihnen mit Blick auf Preis und Leistung keinen Wechsel empfehlen bzw. anbieten möchten, wenn ein solcher nur zum Preis der Verschlechterung im Leistungsumfang oder der Abwicklungsqualität des Versicherers zu haben ist.
Noch ein Tipp zum Schluss: Mit der Vereinbarung einer Selbstbeteiligung lassen sich Prämien auch moderat gestalten. Kleinstschäden, die man selbst „aus der „Portokasse“ bezahlen kann, ohne finanziell in den Ruin getrieben zu werden, müssen nicht durch einen Versicherer beglichen werden. Solche Schäden erhöhen unnötig die Schadenquote und damit auch die Kosten, die auf alle in Form von steigenden Prämie umgelegt wird.

