Die Renditeberechnung

In der Broschüre der Deutschen Rentenversicherung Rente - so wird sie berechnet aus dem Jahr 2019 25. Auflage kann der Verbraucher lesen, dass die Deutsche Rentenversicherung mit Renditen von 3 Prozent und gar mehr (in 2012 waren es 4 Prozent) aufwarten kann und sich nicht vor der privaten Altersvorsorge verstecken muss.

Das liest sich toll und der Verbraucher wird sich gerade in Zeiten niedriger Zinsen sagen, dass er hier gut aufgehoben ist und warum nicht in dieses System noch freiwillige Zahlungen tätigen, um bei einem vorgezogenen Renteneintritt die Rentenkürzungen auszugleichen.

Wenn man den Artikel der Broschüre allerdings aufmerksam durchliest, dann tauchen in den Sätzen dieser Broschüre einige Hinweise und Voraussetzungen für die Renditeberechnungen auf, die den informierten Leser vielleicht ein wenig nachdenklich stimmen.

Schauen wir uns das doch mal im Detail an:

Als erstes geht die Deutsche Rentenversicherung von einer fiktiven Person aus, die man im realen Leben sicherlich nicht antreffen wird; dem Standardrentner oder auch Eckrentner genannt – nennen wir ihn Horst.

Was ist so besonders an Horst? Nun ja, er hat genau 45 Jahre regelmäßig gearbeitet und immer fleißig Beiträge in die DRV eingezahlt.

Und da kommen wir schon zu dem zweiten Phänomen. Die Beiträge, die Horst in die Deutsche Rentenversicherung eingezahlt hat, entsprechen genau immer einem Entgeltpunkt. Demzufolge hat er immer genau das Einkommen p.a. verdient, das im Durchschnitt aller Versicherten der Deutschen Rentenversicherung verdient wurde – man nennt es das Durchschnittseinkommen. Den genauen Wert des Durchschnittseinkommens findet man auf der 2. Seite der Renteninformation. In 2018 betrug es 37.873 Euro und in 2019 38.901 Euro.

Hand aufs Herz, kennen Sie einen solchen Menschen? Wir sind ihm noch nicht begegnet.

Dann geht die Deutsche Rentenversicherung von einer mittleren Lebenserwartung dieses fiktiven Menschen aus. Laut der allgemeinen Sterbetafel würde Horst also noch etwa 17 Jahre leben. Wir sind großzügig und gönnen Horst noch eine Zeit des fiktiven Rentenbezugs von 20 Jahren, dann sieht seine Vita wie folgt aus:

● Berufstätig war Rentner Horst vom 01.01.1974 bis 31.12.2018, das entspricht genau 45 Jahre
● In dieser Zeit hat er genau 45 EP erwirtschaftet, dies entsprich einer monatlichen Rente vor Steuer und vor Krankenversicherung von 1.441 Euro.
● Er bezieht nun diese Rente für einen Zeitraum von 20 Jahren, beginnend ab dem 01.01.2019 - also bis zum Alter 87


Ob er über diese Zeit einen Inflationsausgleich in Form von Rentendynamiken bekommen wird, ist der Broschüre nicht zu entnehmen. Auch hier sind wir großzügig und lassen die Renten jedes Jahr um 1,5 Prozent p.a. steigen.


Da die Bundesregierung bei der Diskussion des Rentenniveaus von Renten Netto vor Steuer spricht, müssen wir hier in dieser Betrachtung die gleichen Voraussetzungen zugrunde legen. Also ziehen wir von den 1441 Euro noch den Anteil ab, den Rentner Horst an die Krankenkasse zahlen muss (der Zuschuss der Deutschen Rentenversicherung zur gesetzlichen Krankenkasse sei hier berücksichtigt). Somit kommen wir auf eine monatliche Rente von 1.283 Euro – aufs Jahr gerechnet demzufolge 15.404 Euro Rente vor Steuer.

Renditebetrachtungen in der Rentenbezugsphase haben etwas damit zu tun, wie lange man die Rente bezieht. Stirbt man direkt zum Rentenbeginn, ist die Rendite überschaubar bei NULL Prozent. Demzufolge steigt die Rendite, je länger man die Rente bezieht. Bei unserem Beispiel darf sich Horst über eine Rentenbezugszeit von 20 Jahren erfreuen.

Dann sieht die Rechnung wie folgt aus:

● Summe der bisherigen Einzahlungen: 210.800 Euro
● Summe der erhaltenen Renten: 356.000 Euro
● Dauer des Rentenbezugs in Jahren: 20 Jahre
● Jährliche Rentenanpassung: 1,5 %
● Beiträge für die Krankenversicherung und Pflege sind hier bereits in Abzug gebracht




Dies entspricht einer Rendite von 1,75 Prozent effektiv.


 


Holla, wo sind denn die 3 Prozent Rendite, die man in der Broschüre lesen konnte.

Nun ja, die DRV schreibt zu der Ermittlung der Rendite, dass hier auch Leistungen berücksichtigt werden, die Horst glücklicherweise nie bekommen hat, er war ja immer berufstätig und nie krank oder in Reha oder gar Erwerbsgemindert.

Das sind genau die Posten, die noch in die Renditebetrachtungen einfließen:

● Leistungen der Rehabilitations-Maßnahmen
● Leistungen für Hinterbliebenenrenten
● Leistungen bei Zeiten der Erwerbsminderung


Bei einer privaten Vorsorge würde man äquivalent sagen, die Kosten für den integrierten Risikoschutz, wie zum Beispiel Leistungen bei Berufsunfähigkeit in Form von Rentenleistungen und wenn der Sparer vor Erreichen des Rentenalters versterben sollte, Leistungen an den hinterbliebenen Ehegatten – man spricht hier auch von den Risikokosten der Risikobausteine.

Nun eine einfache Überlegung. Wenn der Eckrentner bei einem Rentenbezug von 20 Jahren eine Rendite von 1.75 Prozent in der Deutschen Rentenversicherung verbuchen kann, dann ist die Differenz zu den prognostizierten 3 Prozent doch die Kosten für den Risikoschutz der DRV, also 1,25 %. Somit wird ein Schuh draus und wir können nun diese Rendite besser einschätzen.

Übrigens:

Im Jahr 2012 schrieb die Deutsche Rentenversicherung in der gleichen Broschüre eine Rendite für den gleichen Rentner Horst von 4 Prozent aus – gleiche Voraussetzungen. Heißt das, dass die Risikokosten höher waren – also 2,25 Prozent? Wir wissen es nicht.


Eine Anmerkung für die o.a. Berechnung zur Rendite des Standardrenter Horst:


Falls Sie sich fragen, wie wir hier zu der Rendite von 1,75 % effektiv kommen - die Berechnung hierzu erfolgt über die Effektivzinsmethode nach PAngV (EU 30,42/365).
Dabei wird der Effektivzins mit Hilfe von Barwerten errechnet. Die einzelnen Zahlungen werden jeweils auf den gleichen Berechnungszeitpunkz abgezinst. Durch Itteration wird dann der Effektivzinssatz ermittelt, bei dem die Summe aller Barwerte Null ergibt. Dieser Zinssatz wird auch als Interner Zinsfuß oder Internal Rate of Return (IRR) bezeichnet.