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Verlockende Darlehensangebote im Internet mit negativen Zinsen – echt oder Fassade?

Wer findet das nicht toll: Ich leihe mir Geld, zahle weniger zurück und mache dabei noch Gewinn. Coole Sache. Internet macht es möglich. Aber stimmt das? Wird da nicht der Grundgedanke des Kreditwesens ad absurdum geführt?

So verläuft ein übliches Kreditverfahren bei der Bank: Der Kunde benötigt Geld für eine Anschaffung, das er aktuell nicht zur Verfügung hat. Er geht zu seiner Bank und leiht sich dort den entsprechenden Geldbetrag. Die Bank bekommt dafür einen Zins für den Zeitraum der Überlassung des Geldbetrages, also eine Art Leihgebühr. Die Bank wiederum leiht sich das Geld ebenfalls – entweder von einer anderen Bank oder von den Spareinlagen ihrer Bankkunden. In beiden Varianten zahlt die Bank entweder einen geringeren Zins an die ausleihende Bank oder einen geringeren Sparzins an den Sparer. Die jeweilige Differenz aus beiden Varianten ist die Gewinnmarge für die Bank, auch als Zinsdifferenzgeschäft bekannt.

Die Angebote zu Negativzinsen im Internet erwecken nun den Eindruck, dass die Banken auf diese Form der Erträge verzichten, also Kredite nun aus sozialem Engagement vergeben. Kann das sein? Sicherlich nicht, denn auch Banken sind Teil des Wirtschaftskreislaufs und müssen Einkünfte generieren, um neben den Ausgaben auch noch Eigenkapitalrücklagen aufzubauen.

Wie können Kreditanbieter im Internet dann solche Angebote ausschreiben? Ganz einfach: Indem sie zuzahlen und den Negativzins selbst möglich machen. Die Unternehmen (Vermittler) zahlen einen sogenannten „Zinsbonus“ an die Bank, um die Rate und den Zins ihrer Kunden zu drücken. Der Negativzinskredit ist damit echt. Dieser wird von einer Bank gewährt und von einem Unternehmen mit einer „Zuzahlung“ erkauft, nur so ist es möglich, diesen zu bekommen.

Doch auch diese Unternehmen denken und handeln wirtschaftlich, müssen also Geld verdienen. Das tun sie auch mit den Negativzinsangeboten: Eine Hürde zeigt sich bei einigen Anbietern schon vor dem Klick auf den „Beantragen“-Button. Hier sollte man genau hinschauen, ob in der Auswahl ggf. ein anderes Angebot bereits in der Auswahl voreingestellt ist. Dieses gibt es jedoch üblicherweise nicht zu den Konditionen der Negativzinsen. Wer an dieser Stelle nicht aufpasst, kann schnell einen anderen Kredit, als erwartet, abschließen und zahlt ganz normale positive Kreditzinsen. Wählt der Kunde den für ihn richtigen Kredit, wird erst geprüft, ob er die Voraussetzungen dafür erfüllt. An dieser Stelle agieren auch die Kreditanbieter im Netz nicht anders, als man es als Verbraucher kennt. Denn auch Kreditanbieter möchten das Ausfallrisiko bei der Rückzahlung von Krediten so gering wie möglich halten. Das heißt, SCHUFA-Auskunft und ähnliche Abfragen entscheiden auch im Netz letztendlich darüber, ob man seinen Kredit zu den Wunschkonditionen mit Negativzinsen erhält.

Der wahre Preis für Kredite zu Negativzinsen: Ihre Kundendaten

Genau darum geht es. Negativzinskredite sind Marketingkonstrukte. So erklärt sich auch, warum die Unternehmen den oben beschriebenen Zinsbonus bezahlen, also Geld dafür ausgeben: Sie investieren in ihr Marketing und erhalten direkt von den Kunden selbst wichtige Informationen für maßgeschneiderte weitere Angebote: Denn während der Prüfung zur Kreditwürdigkeit, erhält der Anbieter Einsicht in die Kontoumsätze des Antragstellers der vergangenen Wochen und Monate; auch auf Zahlungen an Versicherungen oder in Sparpläne. Das ist die ideale Basis, um dem Kunden weitere Angebote zuzuschicken. Die Hoffnung der Anbieter: Der so persönlich Angeschriebene fühlt sich gut aufgehoben und unterschreibt weitere Verträge.

Bei Krediten zu Negativzinsen handelt es sich oftmals um Werbemaßnahmen, um an Kundendaten zu kommen – nicht mehr und nicht weniger.